Was für den Herbst: St. Matthäus-Kirchhof

Die Tage werden wieder kürzer und dunkler, die morbiden Gedanken nehmen zu – es wird also wieder Zeit für Friedhofsbesuche. Einer der schönsten und interessantesten Friedhöfe Berlins ist – und das schreibe ich nicht nur aufgrund der lokalpatriotisch gefärbten Brille – der Alte St.-Matthäus-Kirchhof in der Großgörschenstraße. Er erstreckt sich bis zur Monumentenstraße und hat eine besonders reizvolle Lage, fällt das Gelände doch zum Berliner Urstromtal hin leicht ab – warum Schöneberg Schöneberg heißt, wird hier besonders deutlich.
Eingeweiht wurde der Friedhof 1856 und gehört zur St. Matthäusgemeinde, die im südlichen Tiergartenviertel beheimatet ist und bis 1945 als Geheimratsviertel bezeichnet wurde. 1938/39 wurde ein Teil der Gräber nach Stahnsdorf umgebettet, um Platz zu schaffen für die größenwahnsinnigen Pläne der „Welthauptstadt Germania“. Ein Gedenkstein am ehemaligen Standort des Familienbegräbnisses der Langenscheidts zeugt von den umfangreichen Eingriffen.
Besonders sehenswert sind die an den Umfassungsmauern aufgereihten Erbbegräbnisstätten nach italienischem Vorbild des Campo Santo; seit Ende des letzten Jahrhunderts wird sich endlich ernsthaft bemüht, das Gesamtbild des Friedhofs durch Konservierungsmaßnahmen zu bewahren. Durch die Einwohnerstruktur der Kirchengemeinde finden sich besonders viele Künstlergräber. Die Namen der Bestatteten hier aufzuzähle, würde den Rahmen sprengen: Von Carl Bolle, Georg Büchmann („Geflügelte Worte“), Ernst Curtius, Friedrich Drake, den Grimm-Brüdern, Alfred Messel, Adolf Diesterweg, Hedwig Dohm bis zu Rio Reiser. Man kann stundenlang über das Gelände streifen und immer wieder Neues und Interessantes entdecken – ein idealer Aufenthaltsort für die Herbsttage.

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