Willi Stoph

Dass auch Willi Stoph einst auf der Insel geboren wurde, dürfte nicht vielen bekannt sein. Aus nachvollziehbaren Gründen erinnert auch keine Gedenktafel an seinem Geburtshaus an ihn. Bislang konnte ich leider auch nicht feststellen, um welches Haus es sich eigentlich genau handelt, fest steht nur, dass Stoph in der Leberstraße (früher Sedanstraße) seine ersten Lebensjahre verbracht hat. Am 9. Juli 1914 als Arbeiterkind geboren, hatte Stoph schon früh Kontakt zur KPD und deren Jugendorganisationen. Bereits in den 30er Jahren arbeitete er im Widerstand mit, während des Weltkriegs wurde er zum Kriegsdienst eingezogen, hatte aber auch während dieser Zeit Kontakt zur Widerstandsgruppe um Anton Saefkow.
In der neugegündeten DDR machte Willi Stoph schnell Karriere, unter anderem als Innen- und Verteidigungsminister. Als Nachfolger Otto Grotewohls im Amt des Vorsitzenden des Ministerrats von 1964 bis 1973 knüpfte Stoph Kontakte zur Bundesrepublik, was 1970 zu den legendären Treffen mit Bundeskanzler Willy Brandt in Kassel und Erfurt führte. Von 1973 bis 1976 war der „Rote Preuße“ (so sein Spitzname) Vorsitzender des Staatsrates und somit Staatsoberhaupt, wurde von Erich Honecker im Rahmen einer allgemeinen Umgestaltung der Staats- und Parteispitze abgelöst und kehrte auf seinen alten Posten als Vorsitzender des Ministerrats zurück.
Stoph war es, der Honecker mit den Worten „Erich, es geht nicht mehr. Du musst gehen“ zum Rücktritt bewegte. Noch in der DDR wurde Willi Stoph wegen Korruption und Amtsmissbrauch verhaftet, zu einer Verurteilung kam es jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht. Sein Versuch, politisches Asyl in der Sowjetunion zu bekommen, wurde dort ignoriert. Auch das spätere Verfahren wegen der Mauer-Toten wurde 1993 wegen Verhandlungsunfähigkeit eingestellt.
Willi Stoph starb am 13. April 1999 in Berlin.

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1 Antwort

  1. Achim B. sagt:

    ach, das ist ja sehr spannend. davon wusste ich als ehemaliger leberstraßenbewohner auch noch nichts.

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