Hermann Ehlers – Der Konservative von der Insel

Gotenstraße 6: Das Geburtshaus

Auf der Roten Insel wurden nicht nur spätere Kommunisten oder Sozialdemokraten geboren: So auch Hermann Ehlers. In der Gotenstraße 6 steht das Geburtshaus des späteren Bundestagspräsidenten, der hier am 1. Oktober 1904 das Licht der Welt erblickte. Durch das Elternhaus konservativ und evangelisch geprägt, studierte Ehlers in Berlin und Bonn Rechtswissenschaften, war Mitglied in einer Studentenverbindung und christlichen Organisationen wie dem Bund Deutscher Bibelkreis. Die Rolle in der Bekennenden Kirche verwehrte Ehlers eine Karriere in der NS-Zeit, so wurde er1934 als Leiter des Rechtsberatungsreferats der Steglitzer Bezirksverwaltung durch ein NSDAP-Mitglied ersetzt. Als Anwalt beschäftigte er sich vor allem mit kirchenrechtlichen Fragen; von 1936 bis 1940 war er als Richter tätig, wurde jedoch – wiederrum wegen seines christlichen Engagements – nicht endgültig übernommen. Nach seiner Einberufung wurde Ehlers der Flugabwehr in Hamburg zugeteilt.
Nach dem Krieg trat er der CDU bei und zog 1949 in den Bundestag ein, als dessen zweiter Präsident er 1950 gewählt wurde. Dieses Amt prägte er wie kaum ein anderer, führte die Rundfunkübertragungen wichtiger Debatten ein und wurde 1953 mit dem besten Ergebnis eines Bundestagspräsidenten wiedergewählt. 1955 sollte er als Spitzenkandidat in den Wahlkampf in Niedersachsen einziehen, sein plötzlicher Tod am 29. Oktober 1954 aufgrund einer Mandelvereiterung vereitelte diese Pläne jedoch. Ehlers wurde mit einem Staatsakt geehrt, alle politische Richtungen betrauerten den Verlust und Bundeskanzler Adenauer brach seine Amerika-Reise ab. Heute erinnern an den gebürtigen Schöneberger zahlreiche nach ihm benannte Schulen, Studentenheime oder die Hermann-Ehlers-Stiftung.

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