Der schwarze Klotz – Gasometer in Gefahr?

Nein zum schwarzen Klotz.
Copyright: Wolfgang Leonhardt, www.gaso-meter.de

Das Sommerloch wurde in Schöneberg von Tesla gefüllt. Und Politik und Medien spekulierten munter darüber mit, ob der E-Auto-Bauer den Gasometer in Schöneberg füllen möchte mit seinem Design-Zentrum. Für Euref-Chef Reinhard Müller kam die Geschichte, natürlich rein zufällig, genau zum richtigen Zeitpunkt. Konnte er nun drohen, wenn seine Forderungen, den Gasometer bis zum vorletzten Ring zubauen zu dürfen, nicht erfüllt würden, käme Wer-auch-immer nicht nach Berlin. Natürlich vermied er, das Tesla-Gerücht zu bestätigen, dementieren wollte er es aber auch nicht. Droht jetzt sogar der Abriss?

Tesla: Der große Bluff?

Der Tagesspiegel hat als erster gemutmaßt, dass alles nur ein großer Bluff ist. Vielleicht kam das Gerede dadurch zustande, dass auf dem Euref-Gelände ein paar Ladesäulen von Tesla eingebuddelt wurden? Mehr spricht jedenfalls nicht dafür.

Vorher: Der Gasometer als Landmarke – ein filigranes Stahlgerüst und Industriedenkmal

Müller hat das ehemalige Gasag-Gelände so weit zugebaut, dass nur noch ein Baustein fehlt: der Klotz im Gasometer. Laut ursprünglichem Bebauungsplan muss er die zwei oberen Ringe freihalten, jetzt möchte er einen Ring höher bauen. In der Realität kommt noch ein Staffelgeschoss oben drauf, sodass im Grunde das gesamte Stahlgerüst zugebaut wird. Auf der Euref-Seite kann man eindrucksvoll den schwarzen Klotz bewundern, der die Rote Insel zukünftig statt des filigranen Stahlgerüsts dominieren wird – wenn es nach Müller geht. Die Verschattung etlicher Wohnungen und des Cheruskerparks würde eklatant zunehmen.

Bürgerinitiative „Gasometer retten“

Doch es bildet sich Widerstand auf der Roten Insel. Die „BI Gasometer retten“ hat sich gerade gegründet (um Klarheit zu schaffen: Ich mische mit!), es wurden offene Briefe verschickt an Bausenator Scheel, Bezirksstadtrat Oltmann, Bezirksbürgermeisterin Schöttler, an die Untere Denkmalschutzbehörde und an den Landeskonservator. Unterschrieben haben 59 Unterstützerinnen und Unterstützer, die in kurzer Zeit gewonnen wurden. Und die Zeit drängt, bereits am 14. Oktober wird über den geänderten Bebauungsplan im Stadtentwicklungsausschuss des Bezirks abgestimmt. Von BVV-Seite können wir nur mit der Unterstützung der Linken rechnen, selbst die Grünen, die dem Projekt lange kritisch gegenüber standen, sind auf Müller-Linie eingeschwenkt. Stadtrat Oltmann, der gerne nächstes Jahr Bürgermeister werden will, unterstützt Müller und ist keine Hilfe.

Damals wars … 12 Jahre später unterstützen die Grünen noch größeren Gigantismus

Anders sieht es aus bei der Unteren Denkmalschutzbehörde, die uns wohlwollend geantwortet hat, und beim Landeskonservator, der ebenfalls gegen einen Komplett-Ausbau ist. Bei der anstehenden Behörden-Beteiligung wird er wohl gegen eine Änderung votieren, hat aber kein Veto-Recht.

Droht der Gasometer-Abriss?

Was die BI befürchtet, geht über das bisher Bekannte hinaus: Man muss sich die Frage stellen, ob der Gasometer nicht insgesamt in Gefahr ist. Folgende Punkte sprechen dafür:

  • Müller braucht ihn nicht mehr, er hat seinen Zweck als Werbemittel für das Euref-Gelände erfüllt. Wenn der letzte Klotz steht, kann Müller weiterziehen.
  • Seit 13 Jahren verspricht Müller, den Gasometer zu sanieren. Bis auf PR-Termine und -Shows hat er seine Versprechen und Verpflichtungen bisher nicht erfüllt. Warum sollte er jetzt noch Geld für eine Sanierung ausgeben?
  • Durch die Nicht-Sanierung und Vernachlässigung sind die Kosten erheblich gestiegen. Müller gibt nicht gerne Geld aus. Warum sollte er jetzt?
  • Wenn der Klotz steht, sieht man das Gerüst eh kaum noch. Müller könnte argumentieren, dass der Neubau ein guter Ersatz ist. Zuzutrauen ist ihm das.
  • Der Gasometer steht schlicht im Weg für den Neubau. Weiß irgendjemand, wie eigentlich in dem Stahlgerüst gebaut werden soll, ohne es zu gefährden? Wie und wo sollen Kräne stehen, wie soll das Baumaterial in den Zylinder gelangen? Ist die Standsicherheit durch die Erschütterungen – vor allem beim Bau der Tiefgarage – gesichert? Hat sich jemals einer der Verantwortlichen die Frage gestellt, ob das alles technisch zu realisieren ist?

Tricksen und täuschen

Der Bezirk sollte dringend vor dem Abnicken der Müllerschen Erpressung ein unabhängiges Gutachten in Auftrag geben. Wir AnwohnerInnen werden nicht stumm danebenstehen und zuschauen, wie unser Wahrzeichen gefährdet wird. Müller hat genug getrickst und getäuscht:

  • Die versprochene und vertraglich garantierte Sanierung des Gasometers ist nie geschehen.
  • Die Zufahrtstraße zum Sachsendamm wurde von Müller trotz geltender Verträge nicht gebaut.
  • Die groß angekündigte „Energie-Universität“ ist nie gekommen. 
  • Das Gelände wurde nie zur Nachbarschaft geöffnet, bis heute ist der „Campus“ ein Fremdkörper, der nur von dort Arbeitenden betreten wird mit Zugangscodes. Uns NachbarInnen will Müller draußen halten.
Stark gefährdet: Der Gasometer in seiner ganzen Pracht

Jetzt geht es darum, unseren Protest nach draußen zu tragen, uns Aufmerksamkeit zu verschaffen. Die Grünen (und SPD) sollen wissen, dass ihre guten Wahlergebnisse auf der Insel nächstes Jahr gefährdet sind, wenn sie uns AnwohnerInnen im Regen stehen lassen. 

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6 Antworten

  1. Andreas Langer sagt:

    Wo und wann trifft sich denn die neue BI „Gasometer retten“?

    • Ulf Schumann sagt:

      Hallo, Sie können mir gerne per Mail schreiben (ulfschumann@web.de), ich werde Sie dann über Treffen informieren. Beste Grüße, Ulf Schumann

  2. Hella Radtke sagt:

    Hallo,
    ich würde mich dem Protest gerne anschliessen, da ich in der Ebersstrasse wohne und mir der “ Himmel zugebaut wird „.
    Mit freundlichen Grüßen, Hella Radtke

  3. Tobi sagt:

    Natürlich ist das Euref Gelände für alle offen. Nur halt nicht zum Nord Park hin.
    Ich war dort schon mehrmals lecker Mittag essen, habe den Gasometer bestiegen und die EyAlter Ausstellung besucht…

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