Der Gasometer verschwindet

Bald nicht mehr zu sehen: Der Gasometer wird zugebaut

Es ist ein wenig aus dem Fokus geraten, das Gasometer-Gelände, das sich Euref-Campus nennt. Letztes Jahr hat sich dort auch so gut wie nichts getan, von den vollmundigen Ansagen mit weiteren Neubauten ward nichts gesehen. Lediglich die Steuermillionen, die Ex-Baustadtrat Krömer in seinen letzten Amtsstunden Euref-Chef Müller genehmigte, wurden mit großem Hallo höchstoffiziell abgesegnet. 

Nur für Mitarbeiter: Tor zum Park

Doch seit einigen Wochen tut sich wieder so manches auf dem Gelände: Die ersten Erdarbeiten für die Planstraße, die durch ebendiese Millionensubventionierung gebaut werden soll, sind auf dem Gelände angelaufen (wann außerhalb der Mauern mit den Arbeiten begonnen werden soll, scheint noch in den Sternen zu stehen). 

Während die Vorbereitungen für das Haus in der Verlängerung zum ersten Neubau ins Stocken geraten zu sein scheinen (gerüchtehalber gibt es hier Probleme mit den angedachten Mietern), wird jetzt der zweite Neubau hochgezogen, und zwar an der Nordspitze auf der Höhe der bisherigen Tiefgarageneinfahrt. Das Gebäude mit seinen zehn Etagen und ca. 7.000m2 wird die Sicht auf den Gasometer vom Norden aus endgültig verstellen. Was Euref-Chef Müller vermutlich ganz recht sein wird, schließlich ist die vertraglich vereinbarte Sanierung erst einmal ad acta gelegt worden und die zunehmende Verrostung künftig nicht mehr so gut zu beobachten. Auch hier gilt der Satz „pacta sunt servanda“ eben nicht für Investoren mit dem Geld in den Taschen, dem richtigen Parteibuch und einem sehenswerten Netzwerk. Da kann man halt nichts machen, so die gängige Rede, die Bürgermeisterin macht sich lieber lächerlich und die Stadträte sind hilflos. Politiker aller Parteien geben sich auf dem Gelände regelmäßig die Klinke in die Hand, ernsthafte Kritik kann da nicht aufkommen.
Vorbereitungen für Neubau

Doch was geschieht eigentlich hinter dem Zaun? Das Gelände ist abgeschottet, die einstmals großmundig versprochene Offenheit des „Campus“ ist ausgeblieben. Ein kleines Türchen zur „Schmiede“, in der ein Restaurant untergebracht ist, wurde zum Chreuskerpark hin eingesetzt, das Wachschutzschild daneben lädt aber nicht wirklich zum Besuch ein. Der Haupteingang wird von übellaunigen Pförtnern kontrolliert, die irgendwo in einem alten Berliner Keller konserviert worden sein müssen. Mitarbeiter des Campus nutzen seit einiger Zeit regelmäßig ein Tor an der Nordspitze mit eigenen Schlüsseln und zertrampeln dabei den Rasen des Cheruskerparks, schließen aber sorgfältig wieder hinter sich ab. Besucher aus dem Kiez nebenan scheinen weiterhin unerwünscht zu sein.

Eingang zur Alten Schmiede

Vielleicht gäbe es dort aber allerhand zu entdecken? Wer weiß schon aus der Umgebung, dass dort die bisher einzige Fahrrad-Ausleihstation von call-a-bike weit und breit untergebracht ist? Car-sharing der Firma flinkster wird angeboten, start-up-Unternehmen basteln hier vor sich hin und die Forschungen zur Energiewende durch die TU-Außenstelle und weiteren dort ansässigen Firmen sind durchaus ernst zu nehmen.

Die Mitarbeiter auf dem Campus scheinen jedenfalls von ihrer Arbeitsumgebung recht angetan zu sein und loben die Atmosphäre auf dem Gelände, die Möglichkeit sich untereinander auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Man muss die Machenschaften von Müller und die dort ansässigen Firmen voneinander trennen. Die Kritik an der zu dichten und unschönen Bebauung, der Verschwendung von Steuergeldern und der Verwahrlosung eines der herausragendsten Wahrzeichen Schönebergs bleibt davon unbenommen.

Es bleibt die Frage im Raum, ob der Campus weiter ein Fremdkörper im Kiez bleiben möchte oder sich öffnet. Und auch, ob wir Insulaner eine Öffnung überhaupt wollen, mit allen Konsequenzen. Die Gentrifizierung würde dadurch zumindest nicht verlangsamt.

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