Aufwertung, wie sich der Senat sie wünscht: Hotel statt Grün am Kleistpark

Dieser „Schandfleck“ am U-Bahnhof Kleistpark soll beseitigt werden
Eine Grünfläche soll verschwinden, eine beliebte Bar, untergebracht in einem ausrangierten S-Bahn-Waggon, soll schließen, ebenso ein Biergarten – zugunsten eines Hotelblocks. SPD sowie CDU in der BVV sprechen von einer „Aufwertung“, der Beseitigung eines „Schandflecks“. Die Rede ist von der Frei- und Grünfläche am U-Bahnhof Kleistpark, einer kriegsbedingten Baulücke. Durch die U-Bahn und damit zusammenhängende Einrichtungen galt das Grundstück jahrelang als unbebaubar, jetzt will ein neuer Investor eine Möglichkeit gefunden haben, das Gelände kommerziell auszuschlachten. Fast 50 Bäume würden gefällt werden, wenn die öffentliche Fläche privatisiert und in Bauland umgewandelt wird. Eine Tiefgarage für gerade einmal 15 Parkplätze ist geplant, ein schlüssiges Verkehrskonzept fehlt.

Inzwischen hat sich eine Bürgerinitiative Kleistpark gefunden, die die Bebauung verhindern will. Sie wehrt sich dagegen, dass ein großes Stück Lebensqualität mit dem Sommergarten des Restaurants Ypsilon und der Coocktailbar Train verschwinden würde, zugunsten eines Investors, der nicht gerade seriös wirkt. Die MHMI Immobilien-Verwaltungs GmbH, die auf Ihrer Website noch nicht einmal eine Adresse in ihrem Impressum angibt, hat ein Stammkapital von gerade einmal 25.000 Euro. Di BI vermutet, dass Risiken gemindert werden sollen und im Schadensfall das Land Berlin, also der Steuerzahler, aufkommen müsste, wenn bei der Bebauung auf dem fragilen Grund etwas schiefgehen sollte.

Hinzu kommt, dass ein sogenanntes „vorhabenbezogenes Baugenehmigungsverfahren“ durchgezogen werden soll, bei dem es vor allem um Schnelligkeit geht. Umweltverträglichkeitsprüfungen entfallen; Beteiligungen von Anwohnern finden in keinem ausreichendem Maße statt.

Wohlgemerkt: Es handelt sich hier nicht um den Bau neuer Wohnungen, die benötigt werden, es soll wieder einmal öffentliches Gemeineigentum privatisiert werden, zugunsten  dubioser Immobilienspekulanten, zugunsten eines Hotels, das an diesem Standort nicht benötigt wird. Grün soll verschwinden für einen „Stadtplatz“ vor einer vermutlich langweiligen Blockrand-Architektur, wie sie in Berlin in den letzten 20 Jahren zum Standard geworden ist.

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1 Antwort

  1. Das liest sich für mich ähnlich befremdlich wie der Versuch, in Moabit die parkähnliche und für die Kinder benötigte Jugendverkehrsschule Moabit zugunsten eines eher großen Wohnhauses wegzugrätschen. Auch bei uns gibt es dazu inzwischen eine Initiative.

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